Wappenkunde (Heraldik)

 

Herkunft 
Der Begriff Wappen (mhd. = Waffen) entstand im Mittelalter. Da die Rüstungen ihre Träger an Turnieren oder kriegerischen Auseinandersetzungen unerkennbar machten, wurden Erkennungszeichen nötig. Diese Zeichen waren meist auf Schilde gemalt, die wiederum Teil der Bewaffnung waren. Sogenannte Herolde wachten darüber, dass niemand ein Wappen trug, das ihm nicht zustand, und führten darüber Verzeichnisse. Deshalb wird die Wappenkunde auch Heraldik genannt. 

 



Wappenbeschreibung 
Jedes Wappen kann in einer ganz speziellen Wappensprache beschrieben werden. Die offizielle Beschreibung - genannt Blasonierung  - des Berner Wappens zum Beispiel lautet: 
"In Rot ein goldener Schrägbalken, belegt mit einem schreitenden schwarzen Bären mit roten Krallen." 
Eine Eigenart der Blasonierung: Die Seiten rechts und links werden immer vom Träger des Wappens bez. des Schildes aus angegeben. Das heisst also für den Betrachter eines Wappens seitenverkehrt. Ist ein Wappen links oben mit einem Stern belegt, lautet die Blasonierung auf rechts oben! 

 



Wappenfarben 
In der Heraldik sind folgende Buntfarben zugelassen: 
Rot 
Blau 
Grün 
Schwarz 
Dazu kommen die sogenannten Metallfarben: 
Gold = Gelb 
Silber = Weiss 
Eine wichtige heraldische Regel lautet, dass sich Buntfarben nie berühren dürfen. Auch Metallfarben dürfen das nicht gegenseitig. Also immer Bunt neben Metall. 
Das Tessiner Kantonswappen mit Rot neben Blau ist demnach ein heraldischer Unsinn! 

 



Wer darf ein Wappen tragen? 

Im Gegensatz zu Wappen von Burgergeschlechtern sind Wappen von Landgeschlechtern (und dazu zählen die meisten Leute) nicht geschützt. Das heisst jeder kann ein x-beliebiges Wappen annehmen und es als "seines" bezeichnen und führen. 
Aus der Vergangenheit sind Fälle bekannt, in denen ein Träger sein Wappen innerhalb weniger Jahre mehrmals gewechselt hat. Ob es Spass macht, ein Wappen zu führen, das keine Geschichte hat, also nicht von Generation zu Generation weitergetragen wurde, bleibe dahingestellt. 
Ende des 18. Jahrhunderts war das Führen von Wappen hierzulande gross in Mode. Wer etwas auf sich hielt und es sich leisten konnte, liess sich eine Schliffscheibe mit dem in Glas geritzten Wappen herstellen, sei es für den Eigengebrauch oder zum Verschenken. Fahrende "Heraldiker" zogen von Haus zu Haus und boten ihre Dienste an. Nicht nur heute, auch schon damals wurde mit Wappen grosser Schindluder getrieben. Aufwendige Forschungen sparte man sich und schwatzte dem Kunden irgend ein Wappen (sehr oft ein geklautes) auf. Eine Mothode, die leider auch von einigen zeitgenössischen "Heraldikern", die an grossen Messen auftreten, sattsam bekannt ist. 

 



Wo finde ich "mein" Wappen? 
Wer zum Beispiel im Kanton Bern heimatberechtigt ist, findet sein Wappen im Staatsarchiv am Falkenplatz 4 in Bern. Auskünfte sind gratis, eine Kopie der Karteikarte kostet 10 Franken. Telefonische Anfragen werden nicht beantwortet. 
Auf jeder Karteikarte ist vermerkt, wer das Wappen getragen hat, respektive die älteste bekannte Quelle (Siegel, Brief, Wappenscheibe usw.). Sehr oft liegen pro Namen gleich mehrere Wappen vor. Wer nun die ganze Wappentragerei seriös betreiben will, der nimmt nicht einfach jenes Wappen, das ihm am besten gefällt, sondern versucht durch Ahnenforschung herauszufinden, welches von seinen Vorfahren getragen wurde. 

 



Was stellt das Wapen dar? 
Familiennamen sind um die Revormation entstanden, Wappen oft hunderte von Jahren später, als man teils die Bedeutung des Namens gar nicht mehr kannte.  In der Folge versuchte man, ein redendes Wappen zu schaffen: Beispielsweise zeigen einige Familienwappen der Lüthi eine Glocke, weil der Name mit der Tätigkeit Leuten in Verbindung gebracht wurde. Der Name Lüthi hat aber von der Herkunft her im seltensten Fall etwas mit einer Glocke am Hut, noch war einer der Vorfahren Glöckner, sondern ist eindeutig vom alten Vornamen Leuthold oder Leuthard abgeleitet. 
Sehr oft werden auf Wappen dargestellte Symbole völlig falsch interpretiert: So wird zum Beispiel immer wieder behauptet, ein Dreiberg auf einem Wappen deute auf grossen Landbesitz hin. Die bereits erwähnten beliebten Schliffscheiben waren meist oval; mit Sternen, Monden, Dreibergen usw. versuchten ihre Schöpfer lediglich obere und untere Rundung des Ovals auszufüllen. Die Wahl geschah also äusserst zufällig. Manchmal wurde ein Wappen von einem späteren Träger mit einem Gestirn oder einer Rose einfach ergänzt, damit es ihn von seinem Vorgänger unterschied. 
Wer sich also für Familienwappen interessiert, tut gut daran, sie nicht für allzu bare Münze zu nehmen und betrachtet sie eher spielerisch, wie es unsere Vorfahren taten. 
WIRD FORTGESETZT